Mondnacht 9 — Orion

24. Juni 2025 / 19:00

Aurea Marston — Sopran, Robert Koller — Bass, Claudia Weissbarth — Flöte, Stefan Kägi — Klavier

Ster­nen­licht führt unseren Blick in wirk­lich unfass­bare Weit­en: Raum und Zeit wer­den auf ganz eigene Weise erleb­bar. Tiefe Ver­gan­gen­heit bleibt und ent­fer­n­teste Zukun­ft wird lebendig.
Ster­nen­licht — eigentlich ein nüchternes physikalis­ches Phänomen — kann in uns idyl­lis­che und wehmütige Stim­mungen aus­lösen (Viar­dot, Reger, Debussy), aber auch als religiös­es Fanal gele­sen wer­den (Gre­go­ri­an­is­ch­er Gesang Magi videntes stel­lam).
Kom­pon­is­ten aus Win­terthur, Bern und Basel haben fünf ver­schieden Zugänge zu diesem The­ma. Sie haben für Mond­nacht 9 je ein neues Werk geschrieben.
Mit «Nur uns» rel­a­tiviert Max E. Keller die Verk­lärung der kos­mis­chen Lichtquellen: Alles, was wir in dieses nüchterne physikalis­che Phänomen hinein­le­sen, entste­ht in uns sel­ber. So kom­poniert er auch keine funkel­nden «Ster­nen­klänge», son­dern absolute Musik, die ihrer eige­nen, von der Struk­tur des zugrunde liegen­den Gedichts inspiri­erten Form fol­gt.
In «Mila» für Flöte und Klavier macht sich Jean-Luc Dar­bel­lay völ­lig frei vom alle­gorischen Ver­ständ­nis der Natur: Für das optis­che Phänomen der einan­der umkreisenden Dop­pel­sterne find­et er fan­tasievolle musikalis­che Analo­ga, die nichts anderes sein wollen als span­nende Musik.
Und Pierre-André Bovey schliesslich gewin­nt in seinem leicht dadais­tis­chen «Wir kön­nen nicht schlafen» nach Hans Arp sog­ar einen gewis­sen iro­nis­chen Abstand.
«Ori­on» von Matthias Heep bildet gewis­ser­massen die inhaltliche Syn­these: Ohne die Kräfte der Tran­szen­denz zu zitieren, schildern die Verse von Odysseas Elytis das Erleb­nis ein­er klaren win­ter­lichen Ster­nen­nacht, deren kathar­tis­che Wirkung den Betra­chter wieder zu sich selb­st führt. Klare, küh­le Akko­rde ste­hen melodis­chen Lin­ien gegenüber, zwei Ebe­nen, die sich nie wirk­lich berühren, aber eben dadurch auch nicht beein­trächti­gen.